Ratgeber · Kaufen & Finanzieren
EZB-Leitzins aktuell: Was er für Immobilien bedeutet
Kurzantwort
Den aktuellen Einlagezins der Europäischen Zentralbank und seinen Verlauf zeigt der Kasten unten; er wird täglich automatisch aktualisiert. Der Leitzins wirkt direkt auf Tagesgeld und variable Kredite. Langfristige Bauzinsen folgen dagegen vor allem den Anleihemärkten: Als die EZB den Einlagezins 2024 und 2025 von 4 % auf 2 % halbierte, blieben die Bauzinsen fast unverändert bei gut 3,5 %.
Aktuelle Werte
- EZB-Einlagezins (Monatsende)
- Bauzins (Zinsbindung über 10 Jahre)
- Bundesanleihe 10 Jahre (Monatsdurchschnitt)
Jahresdurchschnitte als Tabelle
| Jahr | EZB-Einlagezins (Monatsende) | Bauzins (Zinsbindung über 10 Jahre) | Bundesanleihe 10 Jahre (Monatsdurchschnitt) |
|---|---|---|---|
| 2026 | 2,18 % | 3,90 % | 3,09 % |
| 2025 | 2,23 % | 3,65 % | 2,64 % |
| 2024 | 3,69 % | 3,56 % | 2,39 % |
| 2023 | 3,38 % | 3,80 % | 2,46 % |
| 2022 | 0,17 % | 2,65 % | 1,26 % |
| 2021 | -0,50 % | 1,26 % | -0,30 % |
| 2020 | -0,50 % | 1,22 % | -0,52 % |
| 2019 | -0,43 % | 1,53 % | -0,24 % |
| 2018 | -0,40 % | 1,96 % | 0,46 % |
| 2017 | -0,40 % | 1,91 % | 0,39 % |
| 2016 | -0,38 % | 1,80 % | 0,07 % |
| 2015 | -0,21 % | 2,00 % | 0,52 % |
| 2014 | -0,09 % | 2,64 % | 1,20 % |
| 2013 | 0,00 % | 2,95 % | 1,63 % |
| 2012 | 0,13 % | 3,20 % | 1,59 % |
| 2011 | 0,50 % | 4,04 % | 2,76 % |
| 2010 | 0,25 % | 3,98 % | 2,86 % |
| 2009 | 0,40 % | 4,50 % | 3,47 % |
| 2008 | 2,98 % | 5,04 % | 4,10 % |
| 2007 | 2,85 % | 4,95 % | 4,29 % |
| 2006 | 1,79 % | 4,57 % | 3,84 % |
| 2005 | 1,02 % | 4,35 % | 3,39 % |
| 2004 | 1,00 % | 4,96 % | 4,11 % |
| 2003 | 1,25 % | 5,08 % | 4,16 % |
Das Wichtigste in Kürze
- Die EZB steuert die Zinsen im Euroraum vor allem über den Einlagezins – den Zins, den Banken für Geld bei der Zentralbank erhalten.
- Leitzinsänderungen wirken sofort auf kurzfristige Zinsen, auf zehnjährige Bauzinsen nur über Erwartungen und Anleihemärkte.
- Von 2014 bis 2022 war der Einlagezins negativ; von Juli 2022 bis September 2023 stieg er auf 4 %.
- Nach Senkungen bis auf 2 % im Juni 2025 hat die EZB den Einlagezins 2026 wieder angehoben.
- Für Kapitalanleger zählt nicht der Leitzins, sondern der Zins, den sie bei der Bank tatsächlich bekommen – und was Alternativen wie Tagesgeld bringen.
Welcher Zins ist „der Leitzins“?
Die Europäische Zentralbank hat drei Leitzinsen. Für die Zinsen am Markt ist heute vor allem der Einlagezins entscheidend: Zu diesem Satz verzinst die EZB das Geld, das Banken über Nacht bei ihr parken. Weil Banken sehr viel Geld bei der Zentralbank halten, orientieren sich die kurzfristigen Zinsen zwischen Banken eng an diesem Satz. Deshalb zeigen wir ihn als Leitzins.
Die Werte im Kasten und in der Grafik werden jeden Tag automatisch von der EZB abgerufen. Die Zusammenhänge in diesem Text haben wir anhand der Daten bis Oktober 2026 beschrieben.
Ein Blick zurück
- 2003 bis 2008: Der Einlagezins lag meist zwischen 1 % und gut 3 %.
- Finanz- und Eurokrise: Ab 2009 senkte die EZB stark; 2014 wurde der Einlagezins erstmals negativ. Banken mussten für Geld bei der Zentralbank bezahlen.
- 2019 bis Juli 2022: −0,5 %, der tiefste Stand.
- Zinswende: Von Juli 2022 bis September 2023 stieg der Einlagezins in zehn Schritten auf 4 % – so schnell wie nie zuvor seit Einführung des Euro. Grund war die hohe Inflation.
- Senkungen: Ab Juni 2024 senkte die EZB wieder, bis auf 2 % im Juni 2025.
- 2026: Zwei Anhebungen, zunächst auf 2,25 %, im September auf 2,5 %.
Wie der Leitzins auf Immobilien wirkt
Direkt: kurzfristige Zinsen
Tagesgeld, Festgeld mit kurzer Laufzeit, Kontokorrentkredite und variable Darlehen folgen dem Leitzins schnell. Wer variabel finanziert, merkt eine Zinsänderung der EZB unmittelbar in der Rate.
Indirekt: langfristige Bauzinsen
Bauzinsen mit zehn oder mehr Jahren Bindung richten sich nach den langfristigen Anleihezinsen. In diese fließt ein, was Anleger über die nächsten zehn Jahre erwarten: Leitzins, Inflation, Staatsschulden, Konjunktur. Eine Leitzinssenkung, die der Markt schon erwartet hat, bewegt die Bauzinsen kaum.
Das zeigen die Daten deutlich:
| Jahr | EZB-Einlagezins (Jahresdurchschnitt) | Bauzins über 10 Jahre (Jahresdurchschnitt) |
|---|---|---|
| 2021 | −0,50 % | 1,26 % |
| 2022 | 0,17 % | 2,65 % |
| 2023 | 3,38 % | 3,80 % |
| 2024 | 3,69 % | 3,56 % |
| 2025 | 2,23 % | 3,65 % |
Zwischen 2023 und 2025 sank der Einlagezins im Jahresdurchschnitt um mehr als einen Prozentpunkt – der Bauzins blieb nahezu gleich. Umgekehrt stiegen die Bauzinsen 2022 schon deutlich, bevor die EZB den Leitzins nennenswert erhöht hatte.
Über Preise und Alternativen
Steigende Zinsen machen Finanzierungen teurer und können Kaufpreise drücken. Gleichzeitig bringen Tagesgeld und Anleihen wieder Zinsen. Für Kapitalanleger verschiebt sich damit der Vergleich: Eine Wohnung muss sich gegen eine Alternative behaupten, die ohne Aufwand Zinsen abwirft. Siehe Immobilie oder ETF?.
Was Sie daraus mitnehmen können
- Nicht auf die nächste EZB-Sitzung spekulieren. Für langfristige Bauzinsen ist der Anleihemarkt wichtiger.
- Variable Finanzierungen bewusst wählen. Sie hängen direkt am Leitzins – in beide Richtungen.
- Tagesgeld als Maßstab nutzen. Wenn eine Wohnung nach Kosten weniger abwirft als sicheres Tagesgeld, sollte die erwartete Wertsteigerung das ausgleichen.
- Keine Prognosen. Auch Fachleute liegen bei Zinsprognosen regelmäßig daneben. Planen Sie so, dass Ihre Finanzierung auch bei höheren Zinsen tragbar bleibt.
Häufige Fehler
- Leitzins und Bauzins gleichsetzen.
- Mit einem Kauf warten, „bis die EZB senkt“. Die Bauzinsen müssen deshalb nicht fallen.
- Variable Kredite als dauerhaft günstig ansehen.
- Die Phase negativer Zinsen für normal halten. Sie war historisch einmalig.